Direkt zum Artikelanfang
Netlabels, Netaudio & Creative Commons Musik
Titelbild Artikel // Musikwoche // Netlabels // 2004

Artikel // Musikwoche // Netlabels // 2004

Netlabels – Musikvertriebsrevolution oder digitale Nische für Liebhaber?

Von Internet-Labels, freier Musik und vernetzten Freigeistern - Ein Artikel über die Hintergründe und die Entstehung der Netlabel

 

Artikel vom Datum: 08.10.2004 von Moritz “mo.” Sauer veröffentlicht unter dem Titel "Netlabels – Musikvertriebsrevolution oder digitale Nische für Liebhaber?" in der Musikwoche.

Schlagworte: netlabel, artikel, revolution, musikvertrieb

Der Musikvertrieb ist weltweit im Umbruch. Menschen bevorzugen vermehrt den Gang in die virtuelle Tauschbörse als das sie in den Plattenladen gehen. Doch auch die großen mp3-Portale haben ihren Glanz verloren. An ihre Stelle treten die Netlabels, die wie ein herkömmliches Plattenlabel einen eigenen Sound propagieren. Nur den kann der Surfer nicht kaufen, sondern darf ihn kostenlos herunterladen. Über die Entstehung, Philosophie und Zukunft von Netlabels und Musikvertrieb.

Text: Moritz “mo.” Sauer | Datum: 08.10.2004

“Ich mag Netzmusik, weil ich die Idee mag, Musik von Künstlern, ohne Umwege Menschen zur Verfügung zu stellen, die Lust auf Musikhören haben.” // [in]anace/subsource.de

“Netlabels zeigen, wie man hochwertige Musik und weitreichende Aufmerksamkeit auch ohne Kapital und Knebelverträge schaffen kann. Viele Oldschool Labels würden auf einmal ganz schön alt aussehen, wenn man die Hörerreichweiten mancher Netlabels in den pseudo-offiziellen Download Charts berücksichtigen würde.” // Marc Wallowy/tokyodawn.com

Der Begriff Netlabel ist noch relativ jung. Einige Netlabels bezeichnen sich selbst auch als mp3 Label, Internet Label, Netzlabel, Weblabel oder Online Label. Ihnen allen gemeinsam ist aber der kostenlose Musikvertrieb über das Internet. In der Regel hat sich das mp3-Format mit einer Datenrate von 192kbps durchgesetzt, was der Qualität einer CD ziemlich nahe kommt. Einige Netlabels betonen jedoch ihre Open Source-Philosophie dadurch, dass sie ihre Musik auch oder ausschließlich im offenen Ogg Vorbis-Format zum Download anbieten.

Die meisten Künstler, die auf einem Netlabel ihre Musik “releasen”, blicken in der Regel auf keinerlei Hardware-Veröffentlichung wie Vinyl oder CD zurück. Die Motivation eines Musiker auf einem Netlabel die eigene Musik gratis anzubieten, ist verschieden. Die Einen veröffentlichen als Überzeugungstäter, die Anderen haben keinen anderen Unterschlupf gefunden und wiederum Andere möchten ihre Songs und Tracks nicht auf eine festgelegte Anzahl von Tonträgern begrenzt sehen, sondern einem potentiellem Millionenpublikum auf dem ganzen Globus zur Verfügung stellen.

Die Deutsch-Französin Brigitte Bijoux, die auf dem Kölner Netlabel iD.EOLOGY veröffentlicht, meint dazu: “Als Drum&Bass-DJ lege ich hauptsächlich roughe Tracks auf, die das Publikum anpeitschen. Im Club möchte ich gemeinsam mit dem Publikum schwitzen und feiern. Wenn ich zuhause in meinem Heimstudio produziere, geht es mir vor allem um Musik, die Bestand hat und über Genre-Grenzen hinausgeht. Während ich im Club oft DJ-Tools verwende, sollen meine eigenen Tracks Seele atmen. iD.EOLOGY gibt mir die Freiheiten, die mir andere Vinyl-Drum&Bass-Labels versagt haben. Hier darf ich Musikerin sein und muss nicht funktionale Musik mit Hit-Garantie abliefern.”

Die Entstehung der Netlabels

Die Ursprünge der Netlabels entspringen der Demo-Szene, einer Subkultur, die mit dem Einzug der Heimcomputer in die Familien entstand. Denn in den frühen 80ern wuchsen die ersten Kinder und Jugendlichen mit Computern in den eigenen vier Wänden auf. Da Computer lange nicht so komplex wie heutige PCs und der Speicher des Volkscomputer C64 auf 64 Kilobyte begrenzt waren, gelang den jungen Menschen schnell der Einstieg in die Programmierwelt. Spiele, deren Kopierschutz geknackt wurde, wurden mit kleinen selbst programmierten Intros geschmückt. Der Anspruch dieser ersten digitalen Signaturen wuchs stetig und mit den Programmierfähigkeiten potentierte sich die Kreativität. Schnell entwickelte sich eine Szene, in der Programmierer, Grafiker und Musiker zusammenarbeiteten.

Für die Jugendlichen, die sich damals noch vorwiegend über den gewöhnlichen Postweg verständigten, wurden diese Intros langsam interessanter als das neueste Spiel. Mit dem Einzug des Commodore Amiga und des Atari ST wuchsen die Möglichkeiten. Intros wurden nun immer häufiger losgelöst von Spielen verschickt und nannten sich ab da Demos.

Demos kann man als eine Art Videoclip sehen, in welchem Musik, Computercode und Grafik verschmolzen werden. Solch ein selbstständig laufendes Programm wurde in gemeinschaftlicher Arbeit erarbeitet. Neben Grafikern und Programmierern war vor allem auch Musik ein wesentlicher Bestandteil.

Am Anfang war das Format…

Der Pro-Tracker galt als das Musikprogramm auf dem Amiga500 und speicherte Song- und Sample-Daten in einer Datei.

Die ersten Grundweichen für den Austausch von Musik auf elektronischen Wegen legte Karsten Obarski. Er entwickelte ein Musik-Sequenzer-Programm für den Amiga. Mit Hilfe des “Ultimate Soundtracker” konnten Computer-Freaks leicht 8-bit-Mono-Samples auf vier Spuren arrangieren. Dabei setzte man die Samples in Form von Noten auf die einzelnen Spuren und das Programm pitchte die Samples. Dadurch veränderte sich die Tonhöhe und mit Hilfe eines Sounds ließen sich somit Melodien komponieren. Sowohl die Noten als auch die Samples wurden in einer Datei gespeichert, die mit der Abkürzung “.mod” (für Module) endete.

Somit ließen sich Songs auf Disketten abspeichern und an Freunde sowie Interessierte verteilen. In der Regel wurden die .mods wiederum via Ultimate Soundtracker geöffnet. Dadurch bekam jeder einen direkten Einblick in das Musikstück sowie seinen Aufbau und verfolgte den Ablauf wie auf einem Notenblatt. “Open Source” war hier noch kein Thema, wurde aber schon verwirklicht.

…und dann kam die Leitung.

Da das Module-Format relativ klein gehalten wurde, stand der Verbreitung der elektronischen Musik nichts im Wege. Vor allem ab 1990, in welcher die Zeit der BBS-Mailbox-Szene aufblühte, tauschten die Musiker und Fans ihre Lieblings-.mods gerne schon via Telefonleitung. Mit der Entstehung des Internets nach 1994 verlagerten sich dann langsam die Kommunikations- und Distributionswege.

Um 1997/1998 entstanden dann die ersten Netlabels, die die Musik in Form der .mods zur freien Verfügung zum Download anboten. Vor allem der FTP-Server ftp.scene.org wurde als Umschlagsplatz der Szene fleissig genutzt und gab den Labels einen ordentlichen Schubs nach vorne.

Erst mit der stetig und nicht aufzuhaltenden Verbreitung des mp3-Formats bahnte sich dann der langsame Untergang der Module-Szene an. Zwar können Surfer noch heute jede Menge .mod- und auch .sid-Files (.sid ist das Commodore 64 Musik-Format) aus dem Netz fischen und mit Hilfe von Programmen wie Winamp abspielen. Doch Musiker und Netlabels umarmten das sound-technisch bessere Audio-Format und vertreiben in der Regel heute jegliche Musikstücke via mp3.

Rechtliche Aspekte – die heißgeliebte Creative Commons Licence

In der Regel schließen Netlabels (zur Zeit noch) keine Künstler-Verträge mit ihren Musikern und Produzenten ab. Oftmals veröffentlichen die Betreiber eines Labels die Musik ohne je ein Foto oder Gesicht des Musikers gesehen zu haben. Obendrein ist sämtliche Netlabel-Musik GEMA-frei und eröffnet neue und oft umkomplizierte Horizonte der Vermarktung (siehe dazu auch das Renommee-Interview).

Wie das Format Netlabel virtuell ist, so gestaltet sich auch zumeist der Kontakt über digitale Datenbahnen entweder via Email oder ICQ. Oft finden sich Musikbegeisterte auch in Tauschbörsen mit Chat-Funktionen wie z.B. Soulseek. Dort trafen sich vor Jahren auch die beiden Musiker René Margraff und Nicolas Saez: “Nicolas und ich haben uns noch nie wirklich getroffen. Kennengelernt haben wir uns in einem Chatroom von Soulseek. Später haben wir uns dann irgendwann ‘abseits’ des Chatrooms über unsere ‘eigentlichen’ musikalischen Vorlieben ausgetauscht haben. Kurz darauf haben wir dann auch Anorak als Projekt gestartet und immer mehr Leute kennengelernt, die alle irgendwie an ihren Computern Indie- und Elektroniksongs zusammengebastelt haben. Bei soviel ungehörten Talenten drängte sich unserer Meinung nach das Unternehmen www.starvingbuthappy.tk auf.”

Trotzdem veröffentlichen Netlabels ihr Material in der Regel unter einer Lizenz. Dabei greifen die meisten Betreiber auf die Creative Commons Licence zurück, die der amerikanische Rechtsexperte Lawrence Lessig, Professor an der Stanford Law School, ins Leben gerufen hat. Die Rechtslizenz, die seit Mitte 2004 auch in einer rechtsgültigen deutschen Fassung vorliegt, gibt es in zwei Versionen. Einer leicht verständlichen für jedermann und einer genau ausformulierten Fassung für Juristen. Ein großer Vorteil der Creative Commons ist ihre Zusammenklickbarkeit. Denn der Benutzer kann sich seine beanspruchten Copyrights selbst zusammensuchen. Anschließend reicht ein Link oder Button auf der eigenen Netlabel-Seite, um auf das juristische Dokument zu verweisen.

Nachteile und Vorteile von Netlabels

Netlabels sind kundenorientierter, erreichen direkter ihre Hörer via Download und minimieren das finanzielle Risiko enorm.

Bei aller virtuellen Schlagkraft haben Netlabels auch einige Nachteile. Neben einer definitiv geringeren Klangqualität gegenüber CD und Vinyl, sind auch die Gewinnmöglichkeiten nicht so direkt, wie man sie vom Plattenkauf her kennt. Außerdem ist das Ansehen der Netlabels noch nicht so weit fortgeschritten und die Wahrnehmung findet hauptsächlich im Internet statt und nicht im Plattenladen unter DJs und Musikliebhabern. Das liegt vor allem auch an der noch wenig akzeptierten DJ-Mix-Culture, die sich auf die Haptik einer Vinyl-Platte eingeschworen hat.

Netlabels können aber auch unschlagbare Vorteile für sich beteutend machen, wie Jörg Friedrichs vom Netlabel iD.EOLOGY konstatiert: “Neben einem zukunftsträchtigen Direktvertrieb, einer potentiell größeren und weltweiten Zuhörerzahl operieren wir mit unserem Netlabel näher an den Kundenbedürfnissen. [...] Außerdem verfügen viele Netlabels wie z.B. Tokyo Dawn über ein Forum im Web zur Community-Bildung. Wir bei iD.EOLOGY nutzen moderne Wiki- und Foren-Technik, um intern mit unseren Künstler über Zukunftspläne zu diskutieren. Hier finden die Künstler auch virtuell zueinander, um gemeinsam miteinander zu arbeiten.”

Eines der schwerwiegendsten und überzeugendsten Argumente jedoch ist der Kostenfaktor. Denn für den Betrieb eines Netlabels muss man nicht tief in die eigene Tasche greifen. Sämtliche Software von HTML-Editoren über mp3-Encoder bis hin zum Redaktionssystem gibt es in zahlreichen Open Source-Varianten. Außerdem bieten die Webhoster heutzutage viele Funktionen und ordentlich Webspace für geringes Geld. Deswegen kann ein Netlabel schon alleine von den Kosten einer 1000er-Vinyl-Auflage, die ein kleines Label ausgeben müsste, mehrere Jahre zehren.

Netlabels werden deshalb vor allem im Indie-Bereich zu einer oder vielleicht zu der Alternative schlechthin werden, wenn es darum geht Musik zu vertreiben. Für die Kostendeckung müssen neue bzw. alte Wege gefunden werden. Dazu gehören in erster Linie Merchandise und Konzertauftritte. So stellt Marc Wallowy von tokyodawn.com fest: “Finanziell gesehen machen kleine Indie Auflagen unter 2000 Einheiten eh keinen Sinn – mit Strassenmusik verdient man da mehr. Das sind reine Promotools, um den Künstler- und Labelnamen aufzubauen, damit man mehr Gigs bekommt. So gesehen sind mir 10.000 Downloads lieber als 1000 verkaufte Einheiten, wenn ich weiß, daß ich die Miete von den Verkaufserlösen sowieso nicht bezahlen kann. Die Strategien, wie man Aufmerksamkeit in Geld konvertieren kann, werden zunehmend verfeinert.”

“Netlabels kurz vorgestellt…”

www.monotonik.com

Artikel // Musikwoche // Netlabels // 2004

Artikel // Musikwoche // Netlabels // 2004

Artikel // Musikwoche // Netlabels // 2004

Monotonik gehört zum Urgestein der Netlabels. Sein Kurator Simon Carlisle arbeitet heute mit am vielbeachteten archive.org-Projekt, dass vielen Netlabels einen kostenlosen Webspace im Netz anbietet, darüber hinaus aber vor allem eine Archivierung des WWW vornimmt. Auf Monotonik befinden sich neben aktuellen mp3s auch alte Modules aus der Demoszene-Zeit, in welcher der Brite aktiv war.

www.tokyodawn.org

Artikel // Musikwoche // Netlabels // 2004

Artikel // Musikwoche // Netlabels // 2004

Artikel // Musikwoche // Netlabels // 2004

Tokyo Dawn wurde 1997 gestartet und ist das Netlabel der Wahl, wenn es um smoothen und relaxten HipHop- und Soul-Sound geht. Der antreibende Kopf hinter dem Label, Marc “Prymer” Wallowy, ist schon mit seinen 26 Jahren ein alter “Szenekenner”, der im Sommer 2004 gleichzeitig zur Demoszene-Party in Köln den ersten großen erfolgreichen Netlabel-Abend veranstaltete. Der umtriebige Australier beschränkt sich aber nicht nur auf das Internet, sondern wird auch gern auf Panels, wie z.B. dem diesjährigen MEM-Kongress gesehen. Die Künstler von Tokyo Dawn verdienen ihr Geld hauptsächlich durch Auftritte und sind über den ganzen Globus verstreut.

www.thinnerism.com

Artikel // Musikwoche // Netlabels // 2004

Artikel // Musikwoche // Netlabels // 2004

Geht es um moderne Clubmusik und im Speziellem um DubTechno, dann könnte man das Netlabel Thinner als Monolith unter den Netlabels bezeichnen. Denn fast jedes mp3 wird im Schnitt mehr als 3000 Mal heruntergeladen – meist innerhalb eines Monats. Auch Thinner hat seine Wurzeln in der Demoszene. Auf dem Sublabel Autoplate veröffentlichen die Macher experimentelle elektronische Musik zwischen Ambient und Electronica. Künstler werden bei Thinner gerne für Clubabende als Liveact gebucht.

Weitere interessante Netlabels:

Weitere wichtige Links zum Thema:

Mixed Tape: Erfolgreiche Kooperation zwischen Agentur und Netlabels?

Artikel // Musikwoche // Netlabels // 2004

Am 21. Juni 2004 startete die Agentur Renomme im Auftrag von Mercedes Benz die kostenlose Download-Compilation “Mixed Tape”. Bereits nach dem zweiten Online-Album blickt die Agentur nach eigenen Angaben auf über 1,4 Millionen Downloads zurück. Neben Nachwuchskünstlern sind am Erfolg maßgeblich Netlabels beteiligt deren Künstler kostenlos Songs zur Verfügung gestellt haben. Im Gespräch mit René Herzer und Brian Bray von Renomme.

Eure Agentur hat das Mercedes-Benz-Mixed Tape ins Leben gerufen. Könnt Ihr kurz das Konzept hinter der Download-Compilation vorstellen?

“Mixed Tape ist eine kostenlose Online-Musikplattform mit hochwertiger innovativer Musik zum Hören und Herunterladen für Musikinteressierte und zum Hochladen und Bewerben für Musiker.

Ziel ist es, innovative Künstler aus aller Welt zu fördern und ihnen zu ermöglichen, sich einem großen internationalen Publikum zu präsentieren.

Um sich von anderen Musikangeboten qualitativ abzuheben, werden stets nur fünfzehn exklusive Titel im sechs- bis achtwöchigem Turnus als eine Compilation veröffentlicht.”

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen mit Netlabels zusammenzuarbeiten?

“Wir empfinden Netlabels als zeitgemäße Form der Distribution von Musik. Das Engagement, die Leidenschaft für Musik und die innovativen Inhalte der Betreiber und Künstler beeindrucken uns. Das möchten wir gerne unterstützen, in dem wir sie in unsere Projekte wie beispielsweise Mixed Tape integrieren.”

Warum arbeitet Ihr mit Netlabels und Internet-Künstlern zusammen?

“Wir als Renommee arbeiten natürlich auch mit Künstlern die Mitglieder in einer klassischen Verwertungsgesellschaft sind. Entscheidend für unsere Zusammenarbeit mit allen Künstlern sowie Labels und Verlagen ist immer das künstlerische Potential und die Form der Zusammenarbeit.

Für Mixed Tape verwenden wir aus Projektgründen viele GEMA-freie Werke. Insbesondere wegen der wirtschaftlichen Planbarkeit ist es schwierig, kostenfreie Internet-Musikangebote zu machen, da die GEMA pro Download abrechnet, wir aber keine Einnahmen pro Download dagegen rechnen können. Bei vielen Downloads kann das dann schnell jeden Budgetrahmen sprengen.

Bisher hat sich leider keine Regelung finden lassen, die solchen Projekten, von denen Anbieter und Musiker gleichermaßen profitieren, eher gerecht wird. Aber wir arbeiten daran.

Wie seht Ihr das Konzept der GEMA in Bezug auf das Internet?

“Wir halten Verwertungsgesellschaften wie die GEMA als Vertreter von Künstlerinteressen für sehr sinnvoll und unterstützenswert.

Leider sind die rechtlichen und bürokratischen Rahmenbedingungen, denen die GEMA selbst unterworfen ist, die sie aber auch teilweise selbst gestaltet, nicht zeitgemäß und nicht an die Wirklichkeit in den Neuen Medien angepasst. Hier erscheint uns die Situation als unflexibel und veraltet. Dies führt unserer Meinung nach nicht immer zur besten Vertretung im Interesse der GEMA-Mitglieder.

Speziell für Musikangebote im Internet sind technische Lösungen zur direkten Verrechnung mit dem Musiker denkbar, so dass der Kostenfaktor Verwertungsgesellschaft zu Gunsten der wirklich Beteiligten wegfallen könnte.

Wir begrüßen daher Bemühungen wie die von Media Control, eine eigenständige Verwertungsgesellschaft zu gründen, damit Wettbewerb und dadurch hoffentlich Bewegung entsteht.”

Wie profitieren die Künstler von Ihrer Zusammenarbeit mit Eurer Agentur/ Mercedes-Benz?

“Wir von Renommee bringen Musik in Marken und in professionelle Medien und schaffen so zusätzliche Verwertungsmöglichkeiten für die Künstler, die über den Verkauf von Musik an den Endkunden hinausgehen.

Mixed Tape von Mercedes-Benz ist ein gutes Beispiel. Hier erhalten Künstler und Label die Möglichkeit, sich einem großen, breiten und internationalen Publikum zu präsentieren und von der Bekanntheit der Marke und der damit verbundene hohen Besucherzahl zu profitieren.

Ihre Reputation steigt, sie können sich besser vermarkten und zudem werden sie direkt für Medienproduktionen von Mercedes-Benz in die enge Auswahl genommen.

In der Folge haben wir Mixed Tape-Künstler direkt bei Mercedes-Benz, aber auch bei anderen Musikverwendern, in kommerziellen Projekten erfolgreich unterbringen können.

Darüber hinaus verstehen wir uns als Begleiter und Berater der Künstler, der Ihnen in vielen inhaltlichen Fragen wie beispielsweise Verlags- und Labelauswahl oder bei Vertragsverhandlungen zur Seite steht.”

Wie sind Eure Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Netlabels?

“Wir arbeiten gerne mit den Netlabels zusammen und unsere Erfahrungen sind sehr positiv. Wir sind stolz, mit Netlabels wie Audiobulb, Tokyodawn, Obervatory, Alpinechic und anderen erfolgreich zusammenzuarbeiten.

Wir pflegen mit allen einen engen Kontakt.

Wir wussten natürlich, dass wir mit Mixed Tape eine kontroverse Diskussion auslösen werden und gehen diese auch gerne ein. Mixed Tape wurde und wird auch weiterhin aufgrund der Reaktionen der Labels verändert und optimiert.

Über den Autor

Moritz »mo.« Sauer Dieser Artikel wurde am von geschrieben. Moritz »mo.« Sauer ist Journalist, Dozent, Coach und Webdesigner. Als Internetexperte schreibt der Kölner Buchautor nicht nur Bücher für O'Reilly, sondern berät und coacht Unternehmen im Bereich Online-Publishing und Social Media.

Kommentare