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TransPrivacy: Plakatkunst als Brücke zwischen Netz und “Realität”

Mit seinem Plakatprojekt TransPrivacy fordert Florian Kuhlmann von Künstler die Auseinandersetzung mit dem Wandel der Privatsphäre und Öffentlichkeit. Der Medienaktivist und Medienkünstler will die von zehn Künstlern gestalteten Plakate wildplakatieren und die Öffentlichkeit zur Debatte einladen. Aber macht das Sinn? Ein kritisches Interview über aktuelle Netzkultur.

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Worum geht es Euch bei Eurem Projekt TransPrivacy?

TransPrivacy ist zuerst einmal ein Plakatprojekt im öffentlich Raum. Ich habe zehn Künstler eingeladen ein Plakatmotiv zu gestalten, dieses wird dann in der Auflage von jeweils 200 Stück in den Straßen Düsseldorfs gehängt. Parallel dazu werden Blogger, Wissenschaftler und Autoren Textbeiträge unter http://transprivacy.com/der-blog/ publizieren.

Das Thema ist der aktuelle Wandel der Begriffe Privatsphäre und Öffentlichkeit. Der Verlust oder das Wegfallen der Privatsphäre ist eines der großen Themen der Politik der Netze. Die Fraktion der Datenschützer sieht diese durch staatliche Überwachung, aber auch durch Unternehmen wie Facebook und Google immer weiter bedroht.

Plattformen wie Wikileaks erzeugen zeitgleich neue Formen der Transparenz und des Whistleblowings. Ganz allgemein bietet das Netz den Bewohnern der westlichen Welt derzeit die Möglichkeit Dinge relativ einfach Öffentlich zugänglich zu machen.

Insgesamt, so scheint es, ist der Begriff der Medienöffentlichkeit, aber auch der Öffentlichkeit ganz allgemein, derzeit wieder einmal dabei sich zu verändern.

Im Rahmen von TransPrivacy wird dieser aktuell wahrgenommene Wandel von Privatsphäre und Öffentlichkeit im Kontext der Vernetzung mit den Mitteln der Kunst thematisiert.

Die wichtigste Eigenschaft des Internets ist die Kommunikation in zwei Richtungen. Während Radio, Fernsehen und Printmedien als One-To-Many-Medien gelten, weil Sie als Sender den Empfänger befeuern, ist der Mensch im Internet Sender als auch Empfänger. Das Internet ist also ein Medium für alle. Ist der Plakatdruck nicht wieder ein Schritt zurück zur One-To-Many-Kommunikation?

Ob die von dir dargestellte Eigenschaft nun die Wichtigste ist, lassen wir jetzt einfach mal dahingestellt. Aber natürlich hast Du wohl recht, keines der klassischen Medien zuvor hat die Partizipation so einfach für so viele gemacht.

Ob das aber nun wirklich ein solcher Fortschritt ist, dass nun jeder permanent Senden kann, wird die Zukunft zeigen. Aber es stellt sich manchmal schon die Frage: Wenn denn alle permanent nur noch Senden wollen, wer empfängt denn dann eigentlich noch?

Zuhören, ist ja nach wie vor ein wichtiger Teil der Kommunikation …

Aber um noch einmal auf deine Frage bezüglich der Plakate einzugehen, ich sehe da keinen Rückschritt. Medien existieren ja immer neben einander, und auch ein Plakat hat seine Vorteile gegenüber der Darstellung auf einem Monitor.

Alternativ hätte man ja auch die Plakatmotive bei Facebook posten können. Durch den Druck und das Aufhängen in den Straßen entsteht für mich aber eine andere Wertigkeit und Ästhetik. Ich finde es sehr reizvoll damit zu experimentieren und freue mich, dass so viele Künstler bereit sind sich auf diese Spiel mit einzulassen.

Wie entstehen die Plakate und wer und wo hängt Ihr Sie auf?

Die Künstler entwickeln die Plakatmotive, senden sie an mich und ich kümmere mich um den Druck und die Plakatierung. Plakatiert wird wild, aber von Profis. Selbstverständlich ist auch das Wildplakatieren mittlerweile nichts mehr was man noch selber machen kann. Deshalb arbeite ich mit Buckel aus Düsseldorf und seinen Leuten zusammen, die machen das sehr gut.

Ich habe oft das Gefühl das digitale Kunst als Kultur von Nerds ungeachtet in der Nische hängen bleibt. Ignoriert der Kunst- und Kultur”zirkus” digitale Kunst, wie z.B. die seit den 80er Jahren bestehende digitale Kunst der Demoscene? Ist Netzkunst gleichzusetzen als Kunst für Nerds und niemand sonst?

Hm. Um ganz ehrlich zu sein ist das immer schwer zu sagen. Es gibt ja auch in diesem Bereich zahlreich große Festivals für Medienkunst, darüber hinaus werden viele der teilnehmenden Künstler durch Gallerien vertreten und sind in Sammlungen zu finden. So ganz stimmt Dein Gefühl also imho nicht, da tut sich schon einiges, wenn auch natürlich nicht so Spektakuläres wie im Bereich der Malerei beispielsweise. Wo bei in diesem Bereichen wohl auch vor allem die Preise am meisten Eindruck beim Publikum machen.

Ganz abgesehen davon, kann sich aber auch der etablierte Kunstbetrieb auf Dauer nicht vor den Auswirkungen des Netzes und der Digitalisierung verstecken. Obwohl natürlich klar ist, dass die Offenheit des Netzes nur schwer mit den elitären Machtzirkeln des globalisierten Kunstzirkus zu vereinen sind. Aber natürlich wird auch digitale- und Netzkunst in den Kanon der Kunst aufgenommen werden, Künstler wie Aids3D beispielsweise bieten ja auch ganz starke Bezüge zur Netzkultur. Es wird spannend das weiter zu beobachten und zu sehen wie es sich entwickelt.

Florian, in einem Eintrag auf der Website, schreibst Du: “Langsam und scheinbar unaufhaltsam frisst sich das Netz in unser aller Leben und die damit verbundene Digitalisierung der Welt schreitet nach wie vor mit atemberaubender Geschwindigkeit und völlig ungebremst voran.” Frisst das Web uns wirklich auf?

Nein, das glaub ich nicht und das steht ja auch so nicht da.

Klar hat das Netz neben den positiven, eben auch negative Effekte auf unser Leben. So werden wir beispielsweise wirklich noch einen kulturellen Umgang mit den Verlockungen der Überwachung entwickeln müssen. Und wer sich viel mit Facebook und ähnlichem beschäftigt und diese Dienste täglich nutzt, merkt auch wie diese Nutzung an der ein oder anderen Stelle auf einmal Einfluss auf das eigene Leben nimmt.

Ein schönes und recht plakatives Beispiel ist für mich der Beziehungsstatus-Update bei Facebook. Ein kleiner Button, der aber mit Sicherheit auch schon zu einigen kleinen Unsicherheiten im zwischenmenschlichen Bereich geführt hat. Ich will damit sagen, klar werden sich einige Dinge verändern, und wir werden dafür die entsprechende Kultur entwickeln müssen, wir werden aber keinesfalls vollends in den digitalen Räumen verschwinden.

Ich habe mich relativ lange mit Secondlife (Second Life Projekt 2) beschäftigt und in diesem Zusammenhang auch schnell gemerkt, dass das völlige Abtauchen in den digitalen Simulationen auf Dauer unbefriedigend ist. Von daher bin ich fest davon überzeugt, dass es eher um synthetische Verbindungen von Netz und Nichtnetz geht, wir also zumindest vorerst keine totale Assimilation fürchten müssen.

Diese Idee der synthetischen Verbindung ist ja auch im TransPrivacy-Projekt wieder zu finden, welches die Medienöffentlichkeit des Netzes und die des öffentlichen Raums der Stadt verbindet.

Vielen Dank für das spannende Interview!

Mehr Informationen zum TransPrivacy-Projekt

Projekt-Website: www.transprivacy.com

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Über den Autor

Phlow-Autor moritzmosauer Dieser Artikel wurde am 28. September 2011 von Moritz »mo.« Sauer. Moritz »mo.« Sauer ist Journalist, Dozent, Buchautor und Webdesigner. Als versierter Spezialist beschäftigt sich der Kölner hauptsächlich mit den Themen Internet, Kommunikation, (Online) Journalismus, Marketing, Musik und Netzkultur. Weitere Artikel von .

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